Blick auf den Hof  -  Einfahrt zum Feld

Stippvisite auf „Vierpfötchen“


   Endlich war es wieder so weit, ich machte mich auf den Weg auf unseren Schutzhof in Rokitno (Polen). Aus verschiedenen persönlichen Gründen hatte ich ihn lange nicht mehr besuchen können, umso mehr freute ich mich auf den Aufenthalt dort.

 

   Nach einer langen Fahrt erreichte ich am 22.08. die polnische Grenze und wusste, jetzt habe ich bald mein Ziel erreicht. Was mag sich auf dem Schutzhof getan haben? …  Seit meinen letzten Aufenthalten war schließlich schon eine geraume Zeit vergangen. Die meisten Vierbeiner kannte ich nur von Fotos, viele Tiere, die ich noch persönlich kennengelernt hatte, hatten ihre letzte Reise schon angetreten, wie es nun mal so ist auf einem Schutzhof, auf dem vorwiegend alte und kranke Hunde Aufnahme finden … Das weiß man und tröstet sich damit, dass sie wenigstens ihre letzte Zeit geliebt und gut umsorgt verbringen, es ihnen an nichts fehlt: Im Haus ein weicher Liegeplatz, immer gutes Futterchen, versorgt mit allen notwendigen Medikamenten und bei verschiedenen Krankheiten und Wehwehchen ein Besuch beim Tierarzt … Und wenn es halt dann sein muss, in Würde gehen dürfen und nicht im Zwinger in irgendeinem Tierheim einsam und alleine sterben und womöglich vorher noch lange leiden müssen, weil es keine medizinische Behandlung gibt.

   Endlich angekommen wurde ich von lautem, vielstimmigem Gebell angekündigt, denn das ist nun mal klar, Besuch muss lautstark empfangen – eine Klingel benötigt der Schutzhof nicht – und begrüßt werden.  Gitta, Chefin des Ganzen, kommt da nicht so schnell zu Wort.

 

   Mit kleinen vorsichtigen Schritten bahnte ich mir einen Weg in die Wohnstube, immer sorgsam darauf achtend, nur nicht auf eine Hundepfote oder ein Hundeschwänzchen zu treten, denn man ist gleich umringt von ganz vielen Hundenasen, die einen beschnüffeln und gestreichelt werden wollen.

   Sitzt man dann einmal, tritt schnell Ruhe ein, nur der eine oder andere Vierbeiner möchte den Besuch genauer in Augenschein nehmen oder Beachtung in Form von Streicheleinheiten finden. Es ist erstaunlich, wie schnell sich die Aufregung der Hunde legt … 

 

Eines aber muss man sich angewöhnen: Langsames und vorsichtiges Fortbewegen, denn zügig von A nach B zu gelangen, das geht gar nicht, in Rokitno ist „Langsamkeit“ angesagt.

Fast der ganze Boden ist belegt mit Decken, Läufern, Kissen, Körbchen  – was für eine Arbeit, das alles sauber zu halten –, jeder findet ein Plätzchen, ob im Wohnzimmer oder auf dem Hof – je nachdem, wo man sich aufhalten will. Manche ziehen es auch vor, mal alleine auf dem großen Feld eine Runde zu drehen und zu buddeln oder sich im Gras zu wälzen.

 

Mein Campingbus stand auf dem Feld und ich bekam des Öfteren neugierigen Besuch, der einfach mal gucken wollte, was da anders ist als sonst. Für Rüden waren die Autoreifen bestens geeignet, um das Beinchen zu heben. Als das Auto dann wieder zu Hause vor unserer Tür stand, beschnupperte unsere Cindy jeden einzelnen Autoreifen und konnte sich gar nicht trennen von den wunderbaren Gerüchen … 

 

Es ist erstaunlich, wie ruhig und harmonisch es im Rudel zugeht, ruhiger als noch vor Jahren, wo wesentlich mehr Hunde herumstromerten, zumal sich auch welche darunter befanden, die nicht so einfach zu händeln waren und es liebten, bei jeder Gelegenheit zu bellen. 

 

Natürlich gibt es auch jetzt ab und zu mal Zoff untereinander, da die Chemie nicht zwischen jedem Vierbeiner stimmt – so ist es ja auch unter Menschen – und der eine oder andere Hund auch so seine Macken und Eigenarten hat. 

So beispielsweise Mats, der immer wieder knurrend herumläuft und gerne Streit anfängt, er wäre wohl lieber Einzelhund und hätte gerne einen Menschen für sich allein.

Pumba belagert voller Elan jeden neuen Besucher, will Küsschen geben, sich in den Mittelpunkt stellen und kann schon ganz schön penetrant sein.

Sabbat, schon recht orientierungslos, steht manchmal ratlos in einer Ecke.

Hubert ist ein ganz besonderes kleines Kerlchen, einfach nur nett, ebenso wie Milka, die so sehr veschmust ist und immer die Nähe des Menschen sucht.

Auch Blanca möchte Streicheleinheiten und sitzt gerne auf dem Schoß.

 

Viermal am Tag gibt es eine große  Feldrunde  – mit Stop im „Café Rokitno“. Da vergnügt sich jeder so, wie er will: auf dem Feld herumstromern, Löcher buddeln, lautstark zum Zaun sausen, wenn z. B. ein Radfahrer vorbeikommt – spurtet ein Vierbeiner los, flitzen zig andere hinterher, natürlich laut bellend –, gemütlich im Pavillion im Schatten liegen und ein Schläfchen halten …  sooooo viel Freiheit.

Ab und zu ein deutliches Nein/Aus (das polnische Wort dafür ist mir entfallen) von der Rudelchefin ist natürlich auch bisweilen notwendig, anders geht das nicht.

Wenn nach der Feldrunde alle zufrieden sind und entspannt auf ihren Kissen liegen, oft aneinander geschmiegt und sich manchmal auch gegenseitig abschleckend, und leises Schnarchen aus verschiedenen Ecken zu hören ist, da freut man sich, dass den Tieren das ermöglicht wird.

 

 

Aber derjenige, der auf einem Schutzhof vielen Tieren – momentan leben 36 Hunde und drei Katzen dort – ein Zuhause gibt, muss auf so manches verzichten, eigene Belange zurückstellen und darauf achten, selbst nicht zu kurz zu kommen, denn die Tiere können einen auf vielfältige Weise ganz schön fordern. So kann Gitta vorerst keine neuen Tiere mehr aufnehmen … Gott sei Dank steht ihr seit einiger Zeit Anja, eine Einheimsche,  jeden Tag für ein paar Stunden als zuverlässige Kraft zur Seite. Anja hat ein gutes Händchen für die Tiere und vertritt auch Gitta selbständig, wenn diese für Stunden oder auch Tage unterwegs sein muss.

Auch weilen immer wieder ehrenamtliche Helfer (über: www.freiwilligenarbeit.de) auf dem Schutzhof, die für einige Wochen Gitta unterstützen. 


Es müsste viel mehr solcher Schutzhöfe geben, die den Tieren, wenn sie schon kein eigenes Zuhause haben, ein derartig gutes Leben ermöglichen.


Die drei Tage sind viel zu schnell vergangen und es fiel mir schon ein bisschen schwer, die Heimfahrt anzutreten, denn ich wäre gerne länger geblieben. Eigentlich war der Aufenthalt so eine Art Urlaub für mich, aber wir haben natürlich meinen Besuch auch dazu genutzt, um Vereinsangelegenheiten zu besprechen. 


Eines habe ich mir fest vorgenommen, wenigstens einmal im Jahr Gitta und die Tiere zu besuchen, das müsste doch möglich sein …

 

Gisela Polnik

 

Anm.: Die Fotos sind vor allem von Agnieszka und Claudia, deren Fotos ich auch dazu verwendet habe, um verschiedene "Kompositionen" herzustellen.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Gisela Polnik - Impressum und Datenschutzerklärung siehe Menü.